Anja Millen

Abendessen

Abendessen

Wir saßen am Tisch,
Kohlrouladen auf den Tellern.
Schweigend wurde gegessen.
Charles biss auf seine Gabel,
Vater gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.
In meiner dünnen Soße schwammen weich, verkochte Möhrenstücke.
Ich polierte langsam den Tellerrand von außen nach innen
mit einer aufgespießten Salzkartoffel.
Charles rülpste laut als er seine Brause ausgetrunken hatte
und Vater knallte ihm wortlos eine.
Er konnte das wegstecken,
Charles wollte das so.
Ich versuchte immer diese Hände zu vermeiden.

Ab und an wurde ich nachts wach,
durch das Kratzen der Katze an der Seitentür.
Auf meinem Weg zurück nach oben, konnte ich sie hören:
Die Hände, wie sie mit einem monotonen Klatschen
die Haut meiner Mutter trafen.
Manchmal blieb ich stehen und näherte mich dem Schlüsselloch,
manchmal war ein winziger Spalt geöffnet,
niemals habe ich mich gewagt hindurch zu schauen.
Aber gehört hatte ich sie,
ihr Jammern und sein Stöhnen,
hat meinen ganzen Weg in mein Zimmer vertont.
Ich versuchte meine Füße im Rhythmus seiner Schläge nach vorne zu setzen,
dass die Dielen mich nicht verrieten.
Gänsemarsch im Gleichklang.

Wir sitzen am Tisch,
Steak auf den Tellern.
Schweigend essen wir.
Tom beißt auf seine Gabel,
Peter gibt ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.
Ich lasse die Katze nach draußen,
bevor wir hochgehen.
Peter lächelt mich an als ich das Schlafzimmer betrete,
er lächelt als ich die erste Ohrfeige bekomme und
seine linke Hand in mein Haar fasst.
Es liegt mir im Blut, Baby,
raunt er in mein Ohr.
Ich stöhne.

 

Gleichklang.