Anja Millen
drei schritte in der nacht
drei schritte in der nacht
ich bin bereit mich zu verlieben
hals über kopf, vielleicht auch durch den magen. wir könnten blumen pflücken, gemeinsam, und durch den wald spazieren, den herbst begrüßen und den ersten schnee. babies machen üben. rumnudeln im bett und uns mit spüliwasser in der küche bespritzen.
lass dich doch eben mal abtrennen
dann kannst du auch
zeit haben
für
würde ich all den schmerz in mir in worte fassen
würden alle ungeschriebenen bücher aufgefüllt
alle lieder geschrieben
deine tränen meine schreie ersticken
würde ich beginnen
wäre kein ende mehr in uns
so viele bücher die sich in meinen regalen stapeln
worte, so viele worte die sich türmen, so hoch
ein alter koffer der abgewetzt und ohne griff
kaputtes schloß, dort in der ecke unterm bett liegt
darin die erinnerungen an dies und das und dich
manches ändert sich nie
manches bleibt bestehen
die zeit staubt es ein, und meine sehnsucht geht
krümelt sich unterm nachttisch, hinterm fernseher und vorm kamin
dann wache ich auf und schreie rasierklingen zwischen meinen lippen
in watteweichen federn verkruste ich zwischen niveacreme und mohnblumenstickerei
ändert sich nie
bleibt immer bestehen
soviele sätze die nie gesagt, möwen kreisen überm toten fisch
so oft eingepackt, in orangegestreifter tapete gebunden
narben wund verklebt, erstickt in kalter glut
dann krieche ich zum telefon, beiße die schnur
entnabel dich aus meinem hirn, bis morgen früh um 7
manches ändert sich nie
manches bleibt immer
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