Anja Millen
Endzeit
Endzeit
Das Atmen fiel ihr zusehends schwerer. Die Luft schien unerträglich, angefüllt mit dem pestigen Gestank der Verwesung. Sie war auf der Suche, wusste dass es fast aussichtslos war ihn in dem Untergang der Stadt zu finden. Kaum konnte sie sich mehr orientieren in den mit grünen Wolken verhangenen Straßen. Sie glaubte die Mainstreet zu erkennen, doch nur die zerstörte Gleitbahn 7 wies sie darauf hin. Sie waren gekommen wie bereits vor Jahrhunderten angekündigt, sie hatten es in den Schulen gelernt und immer wieder wurde darauf hingewiesen von den Leuten von Tisch 7, der Vereinigung gegen extraterrestrische Übergriffe. Sie wurden gehört, ja, und belächelt.
Ihr bestiefelter linker Fuß trat in weiche Masse und noch ehe sie zurückzucken konnte folgte der nackte Rechte und trat in einen aufgedunsenen Körper. Es erschrak kaum mehr, zuviel hatte sie gesehen. Sie beugte sich herab für die ID Marke aufzunehmen und sah an dem was einst ein Kopf war, an dem Ohr den Stecker.
Sie hatte ihm im letzten Frühling die Triangel geschenkt, hatte ein Paar dieser Ohrringe gekauft, es war ihr Bündnis, ihre Zusammengehörigkeit. Instinktiv fasste sie an ihren, ja er war noch da. Sie wusste um die Einmaligkeit dieses Schmuckstückes, sie setzte sich nieder, sie hatte ihn gefunden.
Mit einer fahrigen Bewegung streifte sie ihre Atemmaske ab und legte sich dicht bei ihn.
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