Anja Millen

fishing for

fishing for

es fällt mir so leicht, die hässlichen dinge zu glauben, die sie mir erzählen.
diese verletzungen, die ihre worte spicken und die sie mir gleich einem wurfstern in die müden ohren schleudern.
es ist so einfach, mich zu treffen und mich rissig zu machen.

dann gehe ich nach hause und setze mich ruhig auf den abgewetzten ledersessel.
betrachte meine hände und auch die fingernägel, die kleinen furchen darin und überlege ob sie nicht recht damit hatten.

ich zweifle und ich hadere und dennoch spüre ich, wie sich eine gewissheit durchringt, dass ich bin wie ich bin,
so bin wie sie sagen, wahrscheinlich schlimmer.

dann nicke ich kurz und ein oder zwei locken fallen mir in die stirn. ich weine etwas und bemitleide meine bekümmerte seele, meine wimperntusche rinnt rußig über meine linke wange und aus den kleinen schnitten dringt liebevoll mein blut.

nach einigen tagen treffe ich martha, ich treffe sie immer einmal in der woche, seit 17 jahren.
sie sieht meinen schmerz und nimmt mich in den arm.
ich lehne meinen kopf an ihre wollgestrickte schulter und sie flüstert mir, dass ich ihr wertvoll bin.

ihr trost kann nicht bestehen gegen den wind.
ich liege gerne unbequem.
mein bett ist schwarz.