Anja Millen
Ich bin ein Mann
Ich bin ein Mann
Ich bin nun seit 2 Tagen ein Mann.
Nicht schlecht eigentlich, ok, meine Titten vermisse ich schon ein wenig, was soll's. Ist ja alles nur temporär, kurzweilig.
Wie es dazu kommen konnte? Machen sie sich darüber mal keine Gedanken. Einfach mal was als gegeben hinnehmen, so wie ich – vorgestern - als ich aufwachte weil mich mein Sack juckte. Zu ordinär? Ach was, nehmen sie es einfach mal als gegeben hin.
Das Wundern habe ich mir in den dreißig Jahren meines Frauseins abgewöhnt.
Ich bin aufgestanden zum Spiegel gegangen und mit einer hochgezogenen Augenbraue (es verlangt langes Training diesen Muskel so zu beherrschen) meine neueste Errungenschaft angeschaut. Nicht das ich nicht schon genügend Schwänze gesehen hätte, diesmal war es halt meiner.
Hab mich ein wenig hin und her gedreht, mit meinen nicht mehr gerundeten Hüften gewackelt und gesehen wie er von rechts nach links gegen meinen Oberschenkel klopfte. Nicht schlecht wenn man nach unten schaut und keine Brüste mehr im Weg sind. Ich sah durchschnittlich aus so als Mann, nicht wirklich atemberaubend, eher Mainstream.
Bin aufs Klo gegangen, hab mich hingesetzt und meine Oberschenkel angepisst. Klasse, ich wusste ich hatte etwas vergessen. Aufstehen, umdrehen, festhalten, laufen lassen.
Der Druck war zu stark, die Brille nicht hochgeklappt, da heißt es wohl nachher aufwischen.
Ich meine fürs erste Mal war es gar nicht so schlecht. Ich schüttelte ein wenig rum, leider als sich noch einige Resttropfen entschieden auszutreten. Ok, ich werd die Kacheln auch säubern.
Zeit zum Duschen, dachte ich, stieß mit meinen Füßen gegen den Beckenrand. Herrje, die sind auch größer, hätte man sich sparen können. Das Wasser lief über meinen Oberkörper und ich sah mit Genugtuung wie meine Brusthaare benetzt wurden. Wie praktisch endlich brauche ich nicht die kleinen ab und an auftauchenden, völlig fehlplazierten Einzelhaare um meine Warzenhöfe heraus zurupfen. Ich fuhr mit der Hand über mein Kinn und spürte die Stoppeln, auch da erübrigte sich Pinzettenarbeit in Zukunft. Den Waschlappen mit Duschgel in der Hand wischte ich fest zwischen meinen Beinen durch. Scheiße, das tat weh. Männer sind scheinbar doch weicher als gedacht. Vorsichtig nahm ich meinen Schwanz in die Hände und zog die Vorhaut zurück, mhm, wieso bin ich nicht beschnitten? Egal, mit festen Bewegungen schrubbte ich über die Eichel. Kann doch wohl nicht sein, so zimperlich, mir schossen Tränen in die Augen.
Während ich am Frühstückstisch saß begann ich Pläne zu schmieden. Was werde ich mit meiner neu erworbenen Männlichkeit alles anstellen? Ich könnte rüber zu Joe gehen und ihn nach dem alten Chevy fragen und wie viel er dafür noch will. Gestern als ich als ich da war, hatte ich das Gefühl er dachte: Frauen haben keinen Sinn fürs Geld und alte Autos. Ich könnte diese blöde Kuh von nebenan, die jeden Typen anmacht, inklusive meinen, auf einen Drink einladen. Sie ficken und ihr dann einen viertel Dollar hinwerfen und gehen.
Mir fiel auf das ich ununterbrochen an meinem Schwanz und den Eiern spielte während ich so sinnierend da saß.
Ich wechselte von völlig unbewusst zu gänzlich erfreut. Es fühlte sich nicht schlecht an. Ich versuchte mehrere verschiedene Grifftechniken und registrierte, dass ich gar nicht mal so schlecht gebaut war. Erstaunlich nur, wenn ich die Oberschenkel zusammenpresste, was durchaus eine Lustförderung bei mir als Frau hervorrief, bewirkte es hier das Gegenteil. Ich stand auf und stellte mich wichsend 2 Meter vor das Spülbecken, spürte wie sich irgendwas in meinem Rücken verkrampfte langsam zu meinem Arsch hinunterzog um dann direkt in meiner Hand zu explodieren. Na super, soviel zu: weit und viel spritzen. Ich sah auf die paar kläglichen Spritzer auf dem Boden vor der Küchenzeile.
Im Schlafzimmer griff ich zu meiner Jeans die achtlos in der Ecke am Boden lag und stieg hinein, zog den Reißverschluss und wusste dass ich nie wieder ohne Slip rumlaufen werde, nicht als Mann. Hölle, das tat weh, vorsichtig öffnete ich den Zipper und betrachtete die rote, eben noch eingeklemmte Hautfalte. Egal wie ich ihn auch legte, ob rechts oder links, das Ding störte beim gehen. Mittig war undenkbar, der Druck der Naht und des Verschlusses war unangenehm, ich entschied mich für rechts und eine dieser uralten, weiten Workerjeans.
Im Supermarkt war alles wie immer: niemand nahm mich wahr, niemand drehte sich nach mir um, nur die Verkäuferin diese kleine Dralle die prinzipiell rum zickte wenn Frau sie nach einem Preis fragte, zwinkerte mir zu. Fotze.
Ich packte mir ein paar Cheeseballs ein, Budweiser und die Morning Post und dann sah ich ihn. Ein Traum von einem Mann. Groß, durchtrainiert und roch sein Rasierwasser. Er spürte wohl meine Blicke und drehte sich um, sah mir direkt in die Augen, ach was, durch bis in meine Möse. Möse? Scheiße! Ich sah an mir herab und bemerkte wie meine Hose verdächtig abstand, sah hoch und sah nur noch wie er sich angewidert umdrehte.
Oh well, ich hatte nicht vor meine Tage als Mann schwul durch die Gegend zu laufen, also ging ich zurück und fragte die Dralle ob sie wisse wo der Kaffee stände und versuchte sie dabei verführerisch anzulächeln. Sie wurde rot und stotterte was von: Bitte folgen sie mir. Das war easy. Welchen Kaffe möchten sie, hauchte sie mir entgegen. Oh ich nehme den, den sie am liebsten trinken, schließlich soll es ihnen ja schmecken wenn ich sie auf eine Tasse einlade.
Oh Gott, wie plump kann ein Mensch nur sein? Doch es wirkte, mit einem Pfund schwarzen Gesöffs und einer Verabredung für den Abend verließ ich den Supermarkt.
Sie war ziemlich pünktlich und sah gar nicht mal so schlecht aus in ihrem durchgeknöpften lila Kleid. Alles war darauf abgestimmt, ihre Fingernägel passend lackiert und selbst ihre Wimperntusche war lila. Ein mehr oder weniger aufdringlicher Geruch von La femme fatal, einem mehr als trendy Parfum wehte mir entgegen als ich sie mit meiner schicken, neuen, sonoren Stimme hereinließ. Sie versank dank ihrer Fülle in meinem, mit dunkelrotem Samt, bezogenen Sessel und ich gab ihr eine Dose Bier. Entschuldige, hast du vielleicht ein Glas, sie lispelte ein wenig. Sicher. Sie fing an ununterbrochen von ihrer Arbeit im Supermarkt zu reden und ich dachte an die Superbowlausscheidungen die eben begannen.
Abwesend stellte ich mir vor welche Dessous sie wohl tragen würde. Wahrscheinlich einen zu engen BH und einen ebenso zu knappen Slip aus irgendwelchem hautunfreundlichen Spitzenmischgewebe.
Eine schöne Wohnung hast du, würde man einem Mann gar nicht zutrauen, soviel Geschmack alles so perfekt aufeinander abgestimmt.
Danke, antwortete ich.
Sie starrte mich schweigend an und ich sah wie sie langsam ihre Zungenspitze über ihre Lippen gleiten ließ. Bin ich genauso, fragte ich mich, wenn ich Titten habe?
Ich spürte das sie irgendein Kompliment, irgendwas Nettes hören wollte, dass sie nicht einfach so auf die billige Tour mit mir ficken würde. Sie wollte das Gefühl was Besonderes zu sein, nun gut, einmal musste es ja passieren.
Dein Nagellack passt fantastisch zu deinem Kleid und deine Augen sind geradezu atemberaubend. Entschuldige, dass ich so schweigsam bin aber ich muss dich die ganze Zeit anschauen.
Eine unendlich lange Sekunde geschah nichts und dann sprang sie mit einer Leichtigkeit aus dem Sessel die ich ihr nicht zugetraut hätte, fiel vor Meinem in die Knie und zwischen meine Beine. Seit ich dich heute Morgen gesehen habe in der Mall habe ich an nichts anderes mehr denken können, keuchte sie und nestelte an meinem Reißverschluss rum. Ich versuchte mich zu entziehen, doch sie war nicht nur üppig und drall, sie hatte Kraft und mit ebensolcher drückte sie meinen Oberkörper zurück und nahm mein temporär bestes Stück zwischen ihre lila Lippen und begann daran... Sie wissen schon.
Es war gar nicht mal so unangenehm und das machte sich bemerkbar, sie plumpste zurück auf ihren Hintern und zog mich mit einem Schwung mit und aus dem Sessel über sich.
Na gut Babe, dachte ich, du willst es du bekommst es.
Ich schob ihr Kleid hoch und stellte mit Erstaunen fest das sie gar nichts darunter trug, vorbei der Traum ihren billigen Slip männlich wild zerreißen zu können. Oh ja mach's mir, stöhnte sie. Das werd ich Kleine, versprach ich und drang in sie ein. Es war warm, es war erstaunlich eng, es war feucht, es tat gut, ich kam. Ich spürte wie sie unter mir ruhig wurde und mir ungläubig in die Augen schaute.
Verlegenheit machte sich breit, so dass mein Anhang völlig schlaff und matschig weich aus der eben noch so angenehmen und nun nur noch glitschigen Höhle flutschte.
Sorry.
Ach das macht doch nichts, Schatz.
Sie nannte mich Schatz!
Mir wurde übel. Ich stand auf und sie zog mich in mein Schlafzimmer. Wir haben doch die ganze Nacht. Die ganze Nacht? Nein!!! , schrie es in mir und schon lag ich auf dem Bett und kräftige Hände zerrten an meinen Hosenbeinen.
Irgendwann, zwischendurch in einer Pause, fragte sie mich ob ich an Liebe auf den ersten Blick glaube. Ich verneinte. Sie ignorierte. Ich schlief ein.
Ich will meine Möse wieder.
Ich wurde wach von einem schrillen Schrei und irgendetwas das mir auf meinen Brustkorb flog.
Du mieses Schwein, quietschte etwas Schemenhaftes vor mir im anbrechenden Tageslicht, während ich versuchte meinen Kosmetikbeutel und die verstreuten Schminkutensilien einzuräumen. Ich sah den Schatten auf meinen Kleiderschrank zugehen und ihn aufreißen.
Du elender Dreckskerl bist verheiratet.
Ich stand auf und wollte abwehren, betete leise: Lieber Gott lass diesen Alptraum endlich aufhören. Ich bemerkte dass mein Schwanz hart abstand und ich dringend pissen musste, sie bemerkte auch.
Abschneiden sollte man so Typen wie euch das Ding.
Sie stürmte auf mich zu und schlug mir ins Gesicht. Das war ja wohl die Höhe. Diese aufdringliche, geile Schlampe schlug mich, ich holte aus und schlug zurück. Ein Griff in ihre Haare und ich zog sie an selbigen zur Tür, schmiss sie raus. Verpiss dich du blöde, dämliche, lila Kuh. Die Tür fiel ins Schloss.
Ich setzte mich auf das Klo und pinkelte mir die Oberschenkel voll. Klasse.
Während ich noch am aufwischen war klopfte es an der Tür.
Wütend riss ich sie auf: Was willst du Schlam...
Zwei Cops standen da. Sahen ja gar nicht mal so übel aus und ich schmunzelte sie verlegen an und hauchte ein: Oh...
Ziehen sie sich was an und dann kommen Sie mit, sie sind verhaftet gegen sie liegt eine Anzeige wegen Vergewaltigung und Körperverletzung vor. Ungläubig starrte ich von Cop 1 zu Cop 2. Wie bitte?
Schwing keine Reden! Frauenschläger sind auf unserer Sympathieliste ganz oben und nun beweg deinen Arsch.
So sitze ich nun seit zwei Tagen hier in dieser beschissenen Zelle. Ich habe Glück im Unglück, der süße Typ aus dem Supermarkt ist hier der Boss und sie haben mir eine Einzelzelle gegeben weil sie keine homosexuellen Übergriffe haben wollen. Ich streiche mit der Hand über mein behaartes Kinn.
Wie es soweit kommen konnte? Machen sie sich mal darüber keine Gedanken. Einfach mal was als gegeben hinnehmen...
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