Anja Millen

louvre

louvre

er stand vor dem bild.
stand unverwandt und war versunken.
sein grauer anzug unscheinbar, seine präsenz jedoch ließ die besucher abstand halten, als gehöre er dazu.
hinter ihm das bewußt leise treiben derer die weiterzogen, zum nächsten werk, zum kunstkonsum.
er stand noch als die stille ruhiger wurde,
als er alleine mit ihr war.

ein aufmerksamer gast hätte gesehen wie er leise sprach, unaufhörlich flüsternd im leeren raum,
ein dialog.
das er antworten bekam daran schien kein zweifel, das leichte schütteln seines kopfes verriet ihn.
so versunken in der leinwand wurden die pforten hinter ihm geschlossen, niemand sah ihn, obwohl er regungslos, sichtbar verharrte.

irgendwann in der nacht, es mag zwei uhr gewesen sein oder drei, nässte er seine graue anzughose ein. unfähig zu gehen, blieb er stehen und bemerkte nicht seine körperlichkeiten.
unwichtigkeiten.

als das leise surren der bohnermaschine auf dem parkett hinter ihm ertönte, sackte er in sich zusammen, sein herz legte sich schlafen.

sein tod blieb unbemerkt, so lag er dort unter aller augen und unter ihren, die ihn zu betrachten schien aus ihrem rahmen heraus zart lächelnd auf ihn schaute. ihr werk, ihr kunstwerk.