Anja Millen

Morgentau

Morgentau

Es war keineswegs die Unschuld,
die sie bekleidete.
Sie, die mit mutwillig geöffnetem Geschlecht
ihre roten Lippen zückte.
So war es ganz verständlich,
dass ich sie zog,
am Schopf und am Gefühl,
das Mauerwerk entlang.

Sie sang dazu die hellen Lieder,
die, die Sirenen lernten
und die, die meiner Lust den Trieb gebaren.
Die Sehnsucht in der reinen Kehle suchend,
verliert die scharfe Klinge sich in ihr.
Mein weißer Samen malt zarte Ranken
in das nasse Rot.

Der Morgentau schmückt deinen Blick,
verrückt (: ein Glänzen)
und diese Gasse ist der Raum,
den du erfüllst.