Anja Millen

Nussbaumholz

Nussbaumholz

Ich liebe dich wie du so regungslos dort liegst, wo gerade noch meine Gier dich mitriss.
Es ist so schön mit dir, hier, so ruhig. Einwenig Kühle zieht über unsere Körper, nicht wahr, und meine Hand gleitet auf und ab- auf und ab.

Hatte ich dir erzählt von meiner Mutter?
Jaja ich weiß, verdrehe nicht die Augen, das gehört nun nicht hierher, doch es ist ein Stück von mir, ich möchte es mit dir teilen, bitte.
Schau ich zwirbel einwenig deine Knospen die sich mir immer noch entgegen recken, lass meine Finger in dir ruhen.


Sie war, meine Mutter, eine so schrecklich laute Frau, eines dieser immer keifernden Weiber, du verstehst ?
Es war mir als würde keine Minute des Tages vergehen ohne etwas von ihr zu hören. Ich liebte sie, so wie man eine Mutter halt liebt, aber es war ein Grauen. Sie war nicht nur in ihren Worten laut, sie war es in ihren Bewegungen, in ihrer Gestik, selbst ihre Augen waren laut.
Mein Vater hingegen ein ganz ruhiger Mann, still, fast schon zurückgezogen in sich. Ab und an tat er mir leid, so wie ein Vater einem halt leid tun kann. Selbst bei meinen Freunden war es nicht viel anders, meist schrieen die Mütter rum und die Väter saßen erschöpft irgendwo in ihrem Sessel und stellten den Fernseher lauter.

Hey, ich will dich nicht langweilen, aber es ist wirklich wichtig für mich, dir das zu erzählen. Mhm, ich merke schon du willst es nocheinmal, nun gut, wenn ich mit dir fertig bin, meine Schöne, wirst du mir aber dann zuhören.
Ah, du schmeckst so gut, deine Haut wie Porzellan, lass mich dich lecken, deinen Mund auslutschen, du geiles Geschöpf, komm ich öffne dir deine Schenkel, nicht... zupressen, ich will in dich dringen, meinen ganzen Saft in dich spritzen.
Ich will das du mit jedem meiner Stöße die Erde unter dir durchwühlst, deine Hände kleine Furchen ziehen. Ich will mich in diese Furchen ergießen, kleine Menschenbäume wachsen lassen, ja lach nur, du Biest, ich fick dich, ja jaaa, ich fick dich.

Nun höre zu du nimmersattes Weib, ich streichle auch dein Haar dabei.


Sie beschimpfte ihn, eigentlich täglich, er senkte seine Augen dann. Irgendwann war ich wohl alt genug und sie gab ihm Namen vor meinen Ohren, vor meinen Augen. Er, der Versager, der Nichtsnutz, der Schlappschwanz.
Irgendwann war ich wohl alt genug und sie gab mir Namen, vor seinen Ohren, vor seinen Augen.
Selbst Nachts, dann, wenn die Ruhe sich über das Surren im Schädel legt, wenn die Träume kommen die das Bett benetzen und die Farben sehen lassen, selbst Nachts war sie laut.
Sie schnarchte, sie sprach im Schlaf, sie wälzte sich und es knarrte hier und da. Ich liebte sie, so wie man eine Mutter wohl liebt und ich hasste nun meinen Vater, so wie man einen Vater hassen kann. Einen Versager, einen Nichtsnutz, einen Schlappschwanz.

Ach Liebes, es schaut aus als hättest du kleine Stücke Cellophan über Haut gelegt, dort wo meine Spuren in deinem Gesicht trocknen. Hier mach meine Finger nass, ich wische sie dir ab und dann kannst du mich noch einmal schmecken.

Solange ich zurückdenken kann war bei uns dieser Zustand, bei meinen Freunden auch. Ja klar, du hast recht, von deren Nächten wusste ich nichts, ab und an sagte mal einer das seine Alte schnarcht, es war unwichtig, ich wußte es, alle Mütter taten das, alle Frauen.
Immer wieder tagein tagaus weckten mich in der Dunkelheit die Geräusche. Ich begann um Stille zu hoffen, zu beten, ich zog mir die Decke über den Kopf, das Kissen, drehte mir aus Klopapier Ohrstöpsel. Es half nicht.
Jeden Abend gleich einem Ritual schrie und zerterte und brüllte sie. Es echote stundenlang in mir von ihr.
Dann in der Nacht zum 14. August vor 12 Jahren erwachte ich.
Ich fuhr erschrocken zusammen, ob der Stille. Nur ein leises, fast unterdrücktes Keuchen war zu hören, kein Schnarchen, kein Reden. Ich stieg aus dem Bett und schlich mich zur Tür meiner Eltern die einen Spalt weit offen stand, wegen der Katzen weißt du, die kratzen sonst den Lack ab.
Da lag sie, ganz friedlich, ganz ruhig und er über ihr, bestieg sie, besamte sie - natürlich wusste ich was das war, du Dummerchen, nebenan wohnte doch ein Bauer mit Vieh.

Ich konnte nicht genug bekommen, zuzusehen wie er sie nahm, ihre Beine über seiner Schulter und sie war ruhig, schaute ihn mit großen, offenen Augen an. Ja, fast wie du nun, Schatz. Er war kein Schlappschwanz, oh nein, er zeigte ihr das er konnte und wie er konnte, die ganze Nacht hörte ich sein Atmen, das Bett und sie war endlich leise.
Am nächsten Morgen schlich ich aus dem Haus, oben war nun Ruhe, er blieb wohl zu Hause.
Am Mittag, dann als ich zurückkam und schweigend durch den Türspalt schaute, fickte er sie von hinten, er nahm sie und trieb seinen Schwanz in sie, das ihr Kopf gegen das Nussbaumholz des Kopfendes stieß. Immer wieder, bumm bumm bumm, immer schneller, in dem Rhytmus in dem ich mich im Bett liegend wichste, lauschend.
Ich bewunderte meinen Vater, so wie man seinen Vater halt bewundern kann.
Am Nachmittag, kam Herr Grundhöfer, legte mir seine Hand auf die Schultern und flüsterte mit tragender Stimme: Du musst nun stark sein und deinem Vater eine Stütze, mein Junge, du bist ja schon ein Mann.
Dann trug er sie mit seinem Helfer hinaus, in Kiefernholz. Bumm bumm bumm.

Ach mein nimmersattes Ding, deine Augen sind so trocken, lass mich einwenig Wasser auf sie träufeln, schau dort in der Pfütze schwimmt ein erstes Laubblatt, es wird Herbst. Bald Winter, die Erde so hart. zu hart und kalt. Eine einsame Zeit, für mich, diese Zeit.
Nun glänzen sie wieder, oh so lüstern, so geil - komm ich dreh dich um, ich will dich besteigen meine Gierige, ich liebe dich.

So wie man eine Frau halt lieben kann.