Anja Millen
Pinselstrich
Pinselstrich
Er saß auf dem Bettrand, hielt seinen Kopf in den Händen und versuchte das hochsteigende Kotzgefühl zu unterdrücken.Er hasste diese Morgen danach und er hasste diesen Zustand.
Sein Blick blieb an dem kleinen Tisch neben dem Bett hängen, über der Lampe wie in einem billigen alten Film ein roter Slip, daneben, ein Glas mit einem letzten Rest Whiskey in dem einsam eine, sich auflösende, Kippe schwamm.
Die Hitze des Lichtes, falsch, die Hitze der Lampe lies den Duft nach ihrer Geilheit, der noch vom gestrigen Abend in diesem Fetzen hing, in seine Nase steigen.
Am Boden verteilt, Reste von besinnungslosem Saufen, falsch, sinnlosem Saufen.
Seine Jeans, ihre Jeans, seine Schuhe, ihre Schuhe.
Nicht schlecht, bemerkte er. Die Spuren ihres Weges zurück verfolgend. An der Tür, gleich vor diesem billigen, geschnitzten Regal, ihr T-Shirt, der Spiegel an der Wand schief, dagegen gedrückt hatte er sie, sein verzerrtes Gesicht darin, seine Augen, die eines reißenden Wolfes, voller Gier und Erregung. Er erinnerte sich, dass er sie regelrecht anfauchte als er den BH im Rücken zerriss, weil ihn dieses Gefummel an den Häkchen krank machte. Sowie sie ihn krank machte.
Sie waren gemeinsam in dieses Kaff gefahren, paar Tage ausspannen, doch jeden Tag kotze es ihn mehr an. Wie lange waren sie nun schon hier? Eine Woche. Eine Woche Hölle. Ihre Stimme zu ertragen, ihr Keifern, wenn seine Augen nur für den Bruchteil einer Sekunde zu lange an dem Arsch einer dieser Schicksen am Strand hängenblieb.
Das Motel in dem sie abgestiegen waren, war ebenso billig wie der Schnaps, den er sich in dessen angrenzendem Supermarkt morgens kaufte. Der irgendwann am Mittag leer war. Sie die letzten Tropfen raus saugte und ihn anmachte: Du säufst zu viel . Zwischendurch, wie jeden Tag in diesem Drecksort, nahmen sie sich bei dem Straßenverkäufer zwei dieser triefend fetten Donuts.
Einmal, einmal meinte er: Die sind genauso fett wie dein Arsch.
Du verfluchter, versoffener, alter Wichser, schrie sie ihn an und ihr Speichel benetzte sein Gesicht. Dann begann sie zu weinen, jammern. Wenn der Richtige kommt , schluchzte sie, wenn der Richtige kommt bin ich weg, du mieser Arsch . Nahm einen Schluck aus der Flasche, verschlang den Donut.
Er kaufte ihr eine Kette, irgend so ein silbriges Teil, an dem ein großes, leuchtend grünes Herz hing, gab sie ihr in die Hand: Da, für dich.
Ja, freuen konnte sie sich. Sie küsste ihn und ihre Zunge spielte in seinem Mund rum. Er nahm ihr dabei die Flasche aus der Hand, Zeit für ein Schluck.
So verbrachten sie jeden Tag. Zwischen Strand und Bar und Bar und Strand. Sie hätten nicht wegmüssen, er hatte ein Bild verkauft. Sie wollte mal raus, ok, er vermisste seine Ruhe, er brauchte Muse, sie packte Koffer, so endeten sie hier.
Wie jeden Tag nahm er sich vor das heute der letzte Tag sei. Spätestens abends an der Theke bei diesem irischen Wirt, wenn sie an dem Pooltisch stand und mit den jungen Kerlen dort spielte. Sich so vorbeugte, dass man ihre Titten rausfallen sah, ihren Arsch rausstreckte bei jedem Stoß, den sie mit dem Queue abgab. Die Typen die Blicke wechselten, williges Opfer sah man in ihren Augen, falsch, billiges Opfer.
Er saß auf dem Bettrand, hielt seinen Kopf in den Händen und versuchte das hochsteigende Kotzgefühl zu unterdrücken.
Er hasste diese Morgen danach und er hasste diesen Zustand.
Sein Blick blieb an dem kleinen Tisch neben dem Bett hängen, über der Lampe wie in einem billigen alten Film ein roter Slip, daneben, ein Glas mit einem letzten Rest Whiskey in dem einsam eine, sich auflösende, Kippe schwamm.
Die Hitze des Lichtes, falsch, die Hitze der Lampe lies den Duft nach ihrer Geilheit, der noch vom gestrigen Abend in diesem Fetzen hing, in seine Nase steigen und langsam mischte er sich mit dem süßlichen Duft ihres Todes.
Endlich
Zeit ein neues Bild zu malen.
© Anja Millen
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