Anja Millen
The Goddess
The Goddess
Fassungslos starrte er auf das was sie produziert hatte. Seine eh schon kleinen Augen verwandelten sich zu kaum sichtbaren Schlitzen.
Wie konnte sie nur, sie hatte sein Denkmal besudelt und beschmutzt. Nicht genug dass sie es wagte seine heiligen Hallen zu betreten, die, die er auf Knien täglich wischte, nein sie besaß die Unverschämtheit nicht nur zu lesen, zu hören und zu sehen… sie reagierte.
Er hatte sie stets aus entsprechender Distanz in seiner eigenen Realität beobachtet, ihre grenzwertigen Perversitäten ertragen, ihre Aggressionen geschluckt, wagte es nicht aufzuschreien wenn sie ihr Gift verspritzte, doch nun - nun war es GENUG!
Am Boden rutschend versuchte er hilflos mit einem alten, verfranzten Lappen die Spuren von ihr zu verwischen, nachdem er mehr recht als schlecht ihre Kunst an den Wänden bereits übermalt hatte, mit seiner Wahrheit. Blind vor Tränen stolperte er auf seinen Gott zu und richtete dessen majestätisches Gewand. Verzeih Meister, murmelte er ohne Unterlass, ich habe dich nicht geschützt.
Lange schon war sein Verstand verbrannt von Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und dann kam sie daher, so mir nichts dir nichts, und bekam all das was ihm doch zustand. Aber da hatte sie sich getäuscht diese Schlange, dieses Biest. Niemand wagt es seinem Gott die Wahrheit ins Gesicht zu spucken. Niemand. Schon gar nicht so eine Neurosen übersäte Schlampe. Sein irrer Blick starrte ins Leere, eine Bewegung aus dem Augenwinkel schreckte ihn auf. Nein!
Sie stand vor ihm ganz ruhig, war kleiner als er gedacht hatte, aber so sind sie alle diese Weiber, die nicht ehren was der Gott macht, klein und hinterhältig. Sie schaute in seine Augen und ein Lächeln umspielte ihren Mund.
Ich hörte, du hast etwas mit mir zu besprechen, flüsterte ihre sanfte Stimme, willst du mir nicht selbst sagen welch ein böser Mensch ich bin? Willst du mir nicht deine wahren Lügen über mich erzählen? Oder möchtest du gar den Rest deiner Jahre damit verbringen deinem Gott hinterherzulaufen und hinter jedem seiner Ausscheidungen den Boden wischen und ebnen so dass er auf ewig scheinen kann?
Doch er getraute sich nicht, er wollte ja aufschreien, wollte stark sein, stattdessen wimmerte er nur leise in seinem verabscheuungswürdigen Elend.
Sie schaute fast bedauernd, gar mitleidig auf ihn hinab, wie er auf alabasterfarbenen Marmor kauerte, dann drehte sie sich um, nicht ohne ein letztes Mal ihre Stimme zu erheben:
Sei vorsichtig kleiner Mann wie du mit mir spielst um deine Wahrheit zu verkünden, ich könnte dich bei erneuter Berührung entlarven.
Er sprang unerwartet behände auf, rannte hallenden Schrittes zu seinem Gott, brach vor ihm zusammen und es schrie aus ihm heraus:
Herr ich habe gefehlt!
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