Anja Millen
Über Stunden
Über Stunden
Sie liegt mit ihrem vollgespritzten Hirn im Bett und lallt die verstuckte Decke über ihr an.
Was soll's.
Ich hab schon heruntergekommenere Fotzen gefickt, gib mir nur noch ein Glas und dann komm ich hoch und werd's dir besorgen.
Türkise Fliesen mit goldenen Libellen, die mich anstarren, während ich Blut pisse.
Ich will wieder Fetanyl, sag ich ihm, er schüttelt den Kopf.
Ich schlag mit der Faust auf seinen Tisch, ich brauch dein verschissenes Rezept nicht und fahr zum Bahnhof.
Kein Grund sich aufzuregen.
Die ausgetretenen Holzstufen sind gebogen und knarren mir bei jedem Schritt in den Ohren.
Es riecht nach Bier und teurem Parfum, ihre Beine sind so weit auseinander, dass ich beim eintreten ins Halbdunkel das Gefühl hab, ihre alte, behaarte Möse will mich einsaugen.
Wir brauchen mehr Dichter, denk ich mir, während ich meinen Schwanz in sie stoße.
Schönere Worte für diese kranke Scheiße, in der wir leben.
Ich schlag ihr ins Gesicht: Mein Geld, du Nutte, wo ist meine Kohle?
Auf dem Glastisch neben der Tür seh ich die Scheine, steck sie ein und geh.
Eigentlich war diese Sorte mir am liebsten: alt und abgefuckt, die verlieben sich nicht in dich, die sind verliebt in ihre Köter oder ihre Wellensittiche, die rufen nur an für hin und wieder ihre Löcher gestopft zu bekommen.
Draußen dämmert sich der Morgen über die ungelebte Nacht.
Ihr quiekendes Ding drückt sich an mir vorbei und rennt in den Vorgarten, dreht sich dreimal im Kreis und fängt an zu kacken.
Wir brauchen mehr Dichter, denk ich und geh.
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