Anja Millen
version 1.4
version 1.4
ok, die sind ok, ich nehm’ sie.
ein letztes mal wog er leicht die brüste von ihr in der hand.
die mammae-lasektopie war befundlos, milchkanäle ok, haut unauffällig europäisch.
mit einem fast süffisanten grinsen kniff er kurz in die nippel und raunte zu ihr, zieh dich an.
sie zuckte nur leicht mit der schulter, zog ihr hemd wieder an und wartete auf das was nun zu geschehen hatte.
ok babe, komm morgen gegen neun vorbei, ein typ für 'ne schwanztransplan hat abgesagt, wir schieben dich dazwischen.
sicher das du kein interesse hast dir ein paar der guten alten silikontitten verpassen zu lassen?
nein.
sie wollte das geld nicht gleich wieder diesem halsabschneider in den schlund werfen.
ein griff nach ihrer tasche und sie war raus.
die entscheidung war ihr leicht gefallen, sie brauchte dringend die kohle und hey was soll's, wer braucht heutzutage noch brüste, außer diesen freaks die nicht mehr wissen was sie mit ihrem geld anfangen sollen.
angewidert durchzog sie ein schauder bei dem gedanken, dass vor nicht allzu langer zeit noch der körper bestandteil von sex war.
austausch von körperflüssigkeiten.
ansteckungen, gesundheitsrisiken und nicht zu vergessen diese ganze schwangerschaftsscheiße die das mit sich zog.
das geld, das sie für die freigabe ihrer eierstöcke bekam war längst draufgegangen, paul, brauchte es ja damit er damals mit ihr mithalten konnte.
morgen früh. sie war erregt angesichts der tatsache das sie kurz vor ihrem ziel stand.
morgen früh um neun, ok, gegen neun würde sie ihren cX-chip um 14k credits aufstocken können.
das sollte genügen um aufzurüsten und vielleicht sogar noch...
nur die ruhe, mahnte ihre innere stimme, nur die ruhe.
sie hatte verdammtes glück und dessen war sie sich bewusst, sie schloss die tür zu ihrem draft-loft auf,
letztes jahr noch waren hängetitten der renner auf dem markt.
irgendein verrückter deutscher künstler, dessen namen sie nie behalten konnte, zahlte eine irrsinnige summe für ein paar afrikanische hängetitten, durchzogen mit dehnungsstreifen, die er sich nicht homopigmentierte, sondern gleich als besonderen, kreativen kontrast in der natürlichen farbe transplanten ließ.
die bilder gingen durchs netz, und sorgten für furore, schwarze titten fast bis zum bauchnabel auf seiner gelblich, weißen haut.
die meinungen waren zerrissen; die einen empfanden es als natürliche kombination der multikulturellen transgendergesellschaft, die anderen sahen darin die perversion eines abgefuckten, alternden künstlers.
wie auch immer er setzte einen trend, und ließ den preis für feste brüste größe a-c in den keller fallen. wie auch immer...
mittlerweile hat er eine der zwei ausgetauscht und sich eine chinesische a-größe rechts besorgt, ihr sollte es recht sein.
paul würde sich nie transplantieren lassen, er war ganz mann, genau wie sie ihn wollte. er mochte natürlichkeit, war fast ein wenig nostalgisch. ab und an nervte er damit, aber nur der gedanke an die letzten nächte mit ihm machten sie wieder geil.
sie schlief mit einem schmunzeln auf ihren lippen ein.
9:02, sie lag auf dem sterilen beheizten edelstahltisch.
der händler schien auch ein fan dieser veralteten chirurgenbilligstreifen zu sein, in seinem verknitterten grünen kittel und mit mundschutz sah er aus wie aus dem letzten jahrhundert entflohen.
3d optik gefällig, fragte er eher beiläufig.
ja, warum nicht.
er zog den projektor von der decke und herab bis vor ihre augen, dann tippte er auf dem screen den musiksender an.
ein abgefahrenes projekt einer newcomer band begann bunte und schrille bilder auf ihre netzhaut zu projizieren und nur beiläufig registrierte sie wie der typ mit vakuumglocken ihre brüste ansaugte, anhob und den laser justierte.
ich depigmentiere sie vorher, dann ist das farbergebnis beim endkunden nachher besser.
sie zuckte mit den schultern.
mir gleich.
9:14, sie hielt kurz die hand unter den scanner und drückte mit der zeigefingerspitze in den detektor. die digitale anzeige bestätigte das der cX-chip mit 14k credits gespeichert wurde.
falls du es dir anders überlegst, babe, wie gesagt gute alte silikontitten oder vielleicht sogar ein schönes schwanztransplantat, wir haben die ganze palette da.
nein danke.
er hatte keine schlechte arbeit geleistet die ersatzhaut mit den künstlichen nippeln passte sich nahtlos in die freigewordene fläche ein, selbst die hautfarbe war höchstens bei genauerem hinsehen zu unterscheiden. sie fühlte sich erleichtert, konnte es kaum abwarten in ihr loft zu kommen.
zu paul.
kaum zu hause angelangt saß sie schon in ihrem stuhl, schob die hand in ihren homescanner und mit der freien hand bediente sie ihr banking system. endlich, endlich konnte sie sich version 1.4 leisten.
auf dem screen zuckte ihr spiegelbild, ihr avatar, ihre cyberfigur.
sie lenkte sie geschickt in den shoppingroom und war begeistert von den angeboten die in version 1.4 hinzugekommen waren. zielstrebig ging sie, auf das virtuelle regal mit den dessous zu,... ach nein...
erst musste sie ja zum bodyshop.
ein mausklick weiter, wählt sie mit fast zitternder hand aus, probiert, vergleicht, dreht und wendet sich, zoomt näher, noch näher. ok das waren sie, sie war nicht enttäuscht, sie waren es wert.
sie sprang auf und nieder und ihre neuen titten größe b schwangen perfekt.
sie testete den erregungsmodus und die nippel sprachen sofort an, die höfe erhoben sich gleich einer gänsehaut und selbst bei größter auflösung waren keine ungleichmäßigkeiten und pixelfehler zu sehen. kein wunder, das alle welt so begeistert war von version 1.4
sie legte die brüste ins virtuelle shopping cart und bezahlte.
jetzt noch diesen irren bh aus titanspitze und dann zu paul, er wartet sicher schon, drüben in der bar.
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